Was kostet gerade am meisten Kraft?
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Was kostet gerade am meisten Kraft?

Hallo, mein Name ist Felicitas Heyne, ich bin Diplom-Psychologin. Schön, dass Sie wieder hier sind — bei Pfalz gibt Halt.

In diesem Audio-Impuls geht es um eine Frage, die sehr einfach klingt — die aber manchmal viel verändern kann:

Was kostet mich gerade am meisten Kraft?

Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Es ist nicht nur eine Sache. Es ist irgendwie alles. Der Kopf ist voll, der Kalender ist voll, und die Liste der Dinge, an die man denken muss, wird immer länger.

Vielleicht sagt man dann nur noch: „Mir ist alles zu viel.“ Und wenn dann jemand fragt, was genau los ist, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Genau das ist oft das Problem: Wenn alles gleichzeitig im Kopf liegt, wird es schnell zu einem Knäuel. Man sieht irgendwann nicht mehr, wo ein einzelner Faden beginnt und welcher vielleicht als Erstes gelöst werden könnte.

Deshalb geht es jetzt nicht darum, sofort eine Lösung für alles zu finden. Das wäre viel zu viel verlangt.

Es geht erst einmal nur darum, das Knäuel ein kleines bisschen zu entwirren. Wenn das gelingt, wird die Lage oft nicht sofort leicht — aber sie wird klarer.

Vielleicht mögen Sie sich das also mal für einen Moment fragen:

Was kostet mich gerade am meisten Kraft?

Nicht alles auf einmal. Nur: Was zieht jetzt in diesem Moment am stärksten an mir?

Vielleicht ist es eine konkrete Aufgabe. Etwas, das schon lange liegen geblieben ist. Ein Anruf. Ein Formular. Ein Gespräch. Eine Entscheidung.

Vielleicht ist es ein Mensch. Ein Konflikt. Eine angespannte Beziehung. Ein Gespräch, das Ihnen nachhängt.

Vielleicht ist es eine Verantwortung. Für Kinder, Eltern, Pflege, Geld, Gesundheit oder Beruf. Für all das, was organisiert, entschieden und im Blick behalten werden muss.

Vielleicht ist es auch vor allem das ständige Mitdenken. Daran denken, was fehlt. Wer was braucht. Was noch organisiert werden muss. Was auf keinen Fall vergessen werden darf. Dieses innere Listenführen sieht man von außen oft nicht — aber es bindet sehr viel Energie.

Nehmen Sie sich, wenn Sie mögen, doch irgendwann nach diesem Audio also ein Blatt Papier und einen Stift. Und schreiben Sie oben auf das Blatt:

Was kostet mich gerade Kraft?

Und dann schreiben Sie einfach mal alles auf, was kommt. Ohne zu sortieren. Ohne zu bewerten. Auch Kleinigkeiten.

Die unbezahlte Rechnung.

Die Sorge um die Mutter.

Der Streit mit dem Sohn.

Die Kollegin, die immer wieder etwas bei Ihnen ablädt.

Der kaputte Wasserhahn.

Der Arzttermin.

Die Angst vor der Zukunft.

Das schlechte Gewissen.

Die chronischen Schmerzen.

Der Anspruch, es allen recht zu machen.

Alles darf auf diese Liste. Sie muss nicht vollständig sein und nicht ordentlich. Hauptsache, Sie schreiben die Dinge alle mal auf.

Denn solange alles nur im Kopf kreist, fühlt es sich oft grenzenlos an. Auf dem Papier bekommt es wenigstens einen Rand.

Und dann kommt der zweite Schritt.

Schauen Sie auf Ihre Liste und fragen Sie nicht sofort: Wie löse ich das bloß alles?

Fragen Sie erst einmal:

Was davon ist wirklich heute dran?

Das ist eine wichtige Frage. Denn unter Stress behandelt unser Kopf oft alles so, als wäre es gleich dringend. Die Steuererklärung, der Streit von gestern, die Zukunft der Kinder, die Nachricht auf dem Handy, der Arztbrief, der Einkauf, die Weltlage — alles drängelt sich nach vorn.

Aber nicht alles ist heute dran.

Manches ist wichtig, aber nicht heute.

Manches ist unangenehm, aber nicht gefährlich.

Manches ist dringend, aber gar nicht allein Ihre Aufgabe.

Und manches ist eine Sorge, für die es im Moment einfach noch keine Lösung gibt.

Das zu unterscheiden, ist keine Kleinigkeit. Das ist Selbstfürsorge.

Vielleicht können Sie Ihre Liste in einem dritten Schritt deshalb mal in vier kleine Gruppen sortieren.

Erstens: Was muss heute wirklich sein?

Damit meine ich nicht: Was wäre schön, wenn es erledigt wäre. Sondern wirklich: Was muss heute sein, damit nichts Wichtiges kippt?

Zweitens: Was kann warten?

Vielleicht nur bis morgen. Vielleicht bis nächste Woche. Vielleicht auch länger.

Drittens: Was muss ich nicht alleine tun?

Hier geht es um Dinge, die vielleicht nicht vollständig verschwinden, aber geteilt werden könnten. Eine Aufgabe. Eine Besorgung. Ein Gespräch. Ein Teil der Organisation. Oder auch nur das Mitdenken.

Das ist oft die schwerste Frage. Vor allem für Menschen, die gewohnt sind, zuverlässig zu sein und vieles lieber selbst erledigen, bevor sie lange erklären müssen, was gebraucht wird.

Aber manche Belastungen werden gerade dadurch größer, dass man sie immer alleine schleppt. Vielleicht können Sie nicht alles abgeben. Aber vielleicht können Sie etwas aussprechen, besprechen oder jemanden bitten, mitzudenken. Manchmal beginnt Entlastung damit, dass eine Sache nicht mehr nur in einem einzigen Kopf liegt.

Und viertens: Wofür brauche ich Unterstützung von außen?

Das ist noch einmal etwas anderes. Hier geht es nicht um eine Aufgabe, die jemand aus Ihrem Umfeld übernehmen kann. Sondern um Situationen, in denen professionelle oder beratende Unterstützung sinnvoll wäre.

Vielleicht, weil ein Thema zu groß geworden ist. Weil Sie nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Weil Schlaf, Erschöpfung oder innere Unruhe schon länger anhalten. Weil es um Pflege, Schulden, Familie, Krankheit, Konflikte oder psychische Belastung geht.

Dann kann der nächste Schritt sein, sich an eine passende Stelle zu wenden: an die Hausärztin oder den Hausarzt, an eine Beratungsstelle, an einen Pflegestützpunkt, an die Krankenkasse, an eine psychotherapeutische Praxis, an eine Familien- oder Schuldnerberatung — je nachdem, worum es geht.

Denn nicht alles lässt sich durch bessere Organisation lösen.

Manchmal ist der nächste gute Schritt nicht: Ich muss mich besser sortieren.

Sondern: Ich darf mir passende Unterstützung suchen.

Vielleicht merken Sie beim Zuhören ja schon, dass eine bestimmte Sache in Ihnen hängen bleibt. Ein Punkt, bei dem Sie innerlich denken: Ja. Genau das ist es.

Dann müssen Sie jetzt noch gar nichts weiter damit tun. Für diesen Moment reicht es, diesen Punkt zu benennen.

Zum Beispiel:

„Mich erschöpft gerade vor allem die Pflege meines Vaters.“
Oder: „Mich erschöpft gerade dieser ungelöste Konflikt.“
Oder: „Mich erschöpft, dass ich an alles denken muss.“
Oder: „Mich erschöpft die Angst, dass ich das finanziell nicht schaffe.“

Ein klarer Satz kann schon entlasten.

Nicht, weil damit schon alles gelöst wäre. Sondern weil Sie sich selbst wieder besser verstehen. Und wenn Sie sich selbst besser verstehen, können Sie freundlicher mit sich umgehen.

Vielleicht sagen Sie sich dann nicht mehr: „Warum stelle ich mich so an?“
Sondern eher: „Kein Wunder, dass ich erschöpft bin. Da ist wirklich viel.“

Auch das ist ein Unterschied.

Wenn Sie möchten, machen Sie jetzt zum Abschluss noch eine kleine Übung.

Fragen Sie sich:

Was könnte ich hier und jetzt für mich tun, was mir ein kleines bisschen Kraft zurückgibt?

Das muss nichts Großes sein.
Vielleicht ein Glas Wasser trinken.
Einen Termin verschieben.
Zehn Minuten vor die Tür gehen.
Oder eine Sache von der To-do-Liste streichen, die heute nicht wirklich nötig ist.

Manchmal beginnt Entlastung nicht damit, dass sofort alles gelöst ist. Sondern damit, dass das große Knäuel im Kopf ein kleines bisschen lockerer wird.

Vielleicht erkennen Sie jetzt einen ersten Faden: eine Aufgabe, die heute wirklich dran ist. Etwas, das warten kann. Oder eine Sache, mit der Sie nicht allein bleiben müssen.

Das reicht für den Anfang.

Auf der Webseite zu diesem Audio finden Sie weitere Impulse und erste Anlaufstellen für Sie.

Genau darum geht es hier bei Pfalz gibt Halt.

Zuhören. Verstehen. Weiterfinden.